Eine empirische Untersuchung personenbezogener und personenumfeldbezogener Einflussfaktoren auf die Gründungswahrscheinlichkeit.
Abstract
Die Arbeit untersucht empirisch, welche personenbezogenen und personenumfeldbezogenen Faktoren die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass jemand ein Gewerbe gründet. Sie konzentriert sich auf vier theoretische Perspektiven: Gründungsmotivation, soziodemographische Merkmale, Humankapital und das soziale Netzwerk des Gründers.
Datengrundlage ist eine im Mai 2005 durchgeführte schriftliche Befragung sämtlicher zwischen 2000 und 2004 in Weinstadt (Rems-Murr-Kreis) angemeldeten Gewerbegründer im Voll- und Nebenerwerb. Die Adressbasis wurde aus den Gewerbeanzeigen des städtischen Gewerbeamts gewonnen; die Auswertung kombiniert die Befragungsergebnisse mit den Sekundärdaten der Anzeigen.
Die Studie versteht sich als Beitrag zu einer wirtschaftsgeographisch motivierten Gründungsforschung auf kommunaler Maßstabsebene — einem Bereich, in dem die Forschungslandschaft 2005 noch deutliche Lücken aufwies.
Ausgangssituation
Bundesweite Studien zum Gründungsgeschehen — etwa der Regionale Entrepreneurship Monitor oder der KfW-Gründungsmonitor — zeigten Anfang der 2000er Jahre erhebliche regionale Unterschiede in der Gründungshäufigkeit. Gleichzeitig konstatierten Experten, dass das vorhandene Gründungspotential in Deutschland nicht ausgeschöpft wurde: Die Bevölkerung schätzte die Gründungschancen rund fünfmal pessimistischer ein als Fachleute (Sternberg 2000a).
Politische Rufe nach stimulierenden Maßnahmen waren laut. Doch um zu beurteilen, welche Maßnahmen wirken — und welche bloß ein „künstliches Gründungsklima durch übermäßige Subventionen" schaffen — bedurfte es belastbarer Kenntnis der Ursache-Wirkungszusammenhänge auf regionaler und kommunaler Ebene.
Sternberg (2000b) sprach von einer „großen unbefriedigten Nachfrage nach regional differenzierenden, empirisch gestützten Studien". Genau in dieser Lücke verortet sich die Arbeit: als wirtschaftsgeographischer Beitrag zur Gründungsforschung mit dem konkreten Untersuchungsraum Weinstadt — eine 26 000-Einwohner-Stadt im Rems-Murr-Kreis östlich von Stuttgart.
Forschungsfragen
Im Mittelpunkt steht das Explanandum: die Wahrscheinlichkeit, dass eine Person den Schritt in die berufliche Selbständigkeit tatsächlich vollzieht. Aus der einschlägigen Literatur wurden vier theoretische Perspektiven extrahiert und in jeweils eigenen Hypothesen-Sets operationalisiert:
Welche Rolle spielen Pull-Faktoren (Selbstverwirklichung, Autonomie, eigene Idee) gegenüber Push-Faktoren (drohende Arbeitslosigkeit, monetärer Druck) — und wie unterscheidet sich das nach Voll- und Nebenerwerb?
Welche Geschlechts-, Alters- und Familienstandsmuster zeigen Gründer im Vergleich zur erwerbsfähigen Bevölkerung — und wie verteilt sich Gründungsfreudigkeit zwischen den Gruppen?
Wie wirken sich Bildung, Berufserfahrung und Branchenkenntnis auf die Gründungswahrscheinlichkeit aus — und welche Rolle spielen Größe und Branche des bisherigen Arbeitgebers?
Welchen Einfluss haben Lebenspartner, Eltern, Freundeskreis und professionelle Beratungsangebote — und kompensiert Sozialkapital Defizite an Humankapital?
Methodisch verbindet die Arbeit eine retrospektive Primärerhebung (schriftliche Befragung mit standardisiertem Fragebogen) mit der Auswertung der Gewerbeanzeigen als Sekundärquelle. Adressbasis sind sämtliche Gewerbeanzeigen der Jahre 2000–2004, bereitgestellt vom Gewerbeamt der Stadt Weinstadt.
Erleuchtende Resultate
Aus rund 30 geprüften Hypothesen kristallisierten sich einige Befunde heraus, die das gängige Bild des „Gründers aus der Not" relativieren. Eine Auswahl der gehaltvollsten Ergebnisse:
Selbstverwirklichung, Autonomie und die eigene Idee dominieren. Push-Motive wie Arbeitslosigkeit spielen eine deutlich untergeordnete Rolle — entgegen einem in der öffentlichen Wahrnehmung präsenten Bild.
Push-Gründer haben ein signifikant niedrigeres Bildungsniveau als Pull-Gründer und gründen häufiger in Branchen mit niedrigen Einstiegsbarrieren — Bau, Gastronomie, einfache Dienstleistungen.
Gewerbegründer verfügen insgesamt über ein überdurchschnittliches Bildungsniveau — mehr als die erwerbsfähige Bevölkerung. Vollerwerbsgründer noch deutlicher als Nebenerwerbsgründer.
Männlich, 30–40 Jahre. Im Vollerwerb häufiger verheiratet, im Nebenerwerb häufiger ledig. Frauen gründen später als Männer und sind in den mittleren Altersklassen besonders sichtbar.
Gründer gehen fast immer in eine Branche, die sie bereits aus der abhängigen Beschäftigung kennen. Die Folge: Der bisherige Arbeitgeber reagiert häufig skeptisch bis ablehnend auf das Vorhaben.
Nicht der Kleinbetrieb ist das Hauptrekrutierungsfeld für Gewerbegründer — entgegen einer verbreiteten Annahme bringen größere Unternehmen die meisten Gründer hervor. Angestellte sind dabei besonders gründungsaktiv.
Es gibt im Grunde kein eigentliches Standortproblem: Der Gründungsort ist fast ausnahmslos der bisherige Wohnort. Gegründet wird in vertrauter Umgebung, mit lokal gewachsenen Bindungen.
Lebenspartner und Eltern sind die wichtigsten emotionalen wie finanziellen Rückhalte. Der Bekanntenkreis steht der Gründung überwiegend positiv gegenüber — ein indirekter, aber stabilisierender Faktor.
Vollerwerbsgründer haben höheren Kapitalbedarf und einen geringeren Eigenkapitalanteil als Nebenerwerbsgründer. Hauptquellen: Banken, gefolgt von Partner und Eltern.
Bei Nebenerwerbsgründern dominiert das monetäre Motiv — die Selbständigkeit ist häufig ein zusätzliches Standbein. Vollerwerbsgründer dagegen ringen stärker um Autonomie und Selbstverwirklichung.
Throwback · 2005
Ergänzend zur Diplomarbeit wurde 2005 eine Online-Version der Befragungsergebnisse aufgesetzt — bewusst ohne Kommentierung, nur Tabellen und Diagramme zum freien Nachlesen. Hier die liebevolle Erinnerung:
Vorbemerkungen
Gewerbeanmeldung
Gewerbe
Gründungsmotivation
Gründerperson
Humankapital
Bisheriger Arbeitgeber
Vorbereitung & Finanzierung
Umfeld & Unterstützung
Gründernetzwerk
Standort
Rentabilität
Herzlich Willkommen!
Auf den folgenden Seiten werden wesentliche Ergebnisse der Weinstädter Gründerbefragung veröffentlicht. Es wurde dabei bewusst auf eine Kommentierung und Bewertung verzichtet.
· Microsoft FrontPage 4.0 · Frame-Set · Apache auf Debian · 128 kb/s Upload ·
Zugang zu den Relaunch-Seiten
Die zwölf Themenblöcke der Original-Veröffentlichung sind im Relaunch in barrierefreiem, mobil-tauglichem HTML neu aufgelegt — Tabellen wie Diagramme erhalten, ohne Frame-Sets oder Office-HTML. Klick auf einen Themenblock öffnet die Detailansicht.
Alle zwölf Themenblöcke der Original-Veröffentlichung sind aus den FrontPage-Pages 2005 in barrierefreies, mobil-taugliches HTML übertragen. Original-Diagramme als Beleg eingebunden; Tabellen aus den ursprünglichen MS-Office-Strukturen extrahiert und gereinigt. Inhalte unverändert — bewusst, wie schon 2005, ohne nachträgliche Kommentierung.