Diplomarbeit · Wirtschaftsgeographie · 2005

Gewerbegründungen
in Weinstadt.

Eine empirische Untersuchung personenbezogener und personenumfeldbezogener Einflussfaktoren auf die Gründungswahrscheinlichkeit.

Thomas Bugge  ·  Diplom-Geograph
Universität Stuttgart · Institut für Geographie
Betreut durch Prof. Dr. Wolf Gaebe
Winterbach, August 2005
Bewertung: „sehr gut"

Was bewegt Menschen
in die Selbständigkeit?

Die Arbeit untersucht empirisch, welche personenbezogenen und personenumfeldbezogenen Faktoren die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass jemand ein Gewerbe gründet. Sie konzentriert sich auf vier theoretische Perspektiven: Gründungsmotivation, soziodemographische Merkmale, Humankapital und das soziale Netzwerk des Gründers.

Datengrundlage ist eine im Mai 2005 durchgeführte schriftliche Befragung sämtlicher zwischen 2000 und 2004 in Weinstadt (Rems-Murr-Kreis) angemeldeten Gewerbegründer im Voll- und Nebenerwerb. Die Adressbasis wurde aus den Gewerbeanzeigen des städtischen Gewerbeamts gewonnen; die Auswertung kombiniert die Befragungsergebnisse mit den Sekundärdaten der Anzeigen.

Die Studie versteht sich als Beitrag zu einer wirtschaftsgeographisch motivierten Gründungsforschung auf kommunaler Maßstabsebene — einem Bereich, in dem die Forschungslandschaft 2005 noch deutliche Lücken aufwies.

Eine Forschungslücke
auf regionaler Ebene.

Bundesweite Studien zum Gründungsgeschehen — etwa der Regionale Entrepreneurship Monitor oder der KfW-Gründungsmonitor — zeigten Anfang der 2000er Jahre erhebliche regionale Unterschiede in der Gründungshäufigkeit. Gleichzeitig konstatierten Experten, dass das vorhandene Gründungspotential in Deutschland nicht ausgeschöpft wurde: Die Bevölkerung schätzte die Gründungschancen rund fünfmal pessimistischer ein als Fachleute (Sternberg 2000a).

Politische Rufe nach stimulierenden Maßnahmen waren laut. Doch um zu beurteilen, welche Maßnahmen wirken — und welche bloß ein „künstliches Gründungsklima durch übermäßige Subventionen" schaffen — bedurfte es belastbarer Kenntnis der Ursache-Wirkungszusammenhänge auf regionaler und kommunaler Ebene.

Sternberg (2000b) sprach von einer „großen unbefriedigten Nachfrage nach regional differenzierenden, empirisch gestützten Studien". Genau in dieser Lücke verortet sich die Arbeit: als wirtschaftsgeographischer Beitrag zur Gründungsforschung mit dem konkreten Untersuchungsraum Weinstadt — eine 26 000-Einwohner-Stadt im Rems-Murr-Kreis östlich von Stuttgart.

Vier Perspektiven
auf eine Entscheidung.

Im Mittelpunkt steht das Explanandum: die Wahrscheinlichkeit, dass eine Person den Schritt in die berufliche Selbständigkeit tatsächlich vollzieht. Aus der einschlägigen Literatur wurden vier theoretische Perspektiven extrahiert und in jeweils eigenen Hypothesen-Sets operationalisiert:

1 · Motivation

Welche Rolle spielen Pull-Faktoren (Selbstverwirklichung, Autonomie, eigene Idee) gegenüber Push-Faktoren (drohende Arbeitslosigkeit, monetärer Druck) — und wie unterscheidet sich das nach Voll- und Nebenerwerb?

2 · Soziodemographie

Welche Geschlechts-, Alters- und Familienstandsmuster zeigen Gründer im Vergleich zur erwerbsfähigen Bevölkerung — und wie verteilt sich Gründungsfreudigkeit zwischen den Gruppen?

3 · Humankapital

Wie wirken sich Bildung, Berufserfahrung und Branchenkenntnis auf die Gründungswahrscheinlichkeit aus — und welche Rolle spielen Größe und Branche des bisherigen Arbeitgebers?

4 · Soziales Netzwerk

Welchen Einfluss haben Lebenspartner, Eltern, Freundeskreis und professionelle Beratungsangebote — und kompensiert Sozialkapital Defizite an Humankapital?

Methodisch verbindet die Arbeit eine retrospektive Primärerhebung (schriftliche Befragung mit standardisiertem Fragebogen) mit der Auswertung der Gewerbeanzeigen als Sekundärquelle. Adressbasis sind sämtliche Gewerbeanzeigen der Jahre 2000–2004, bereitgestellt vom Gewerbeamt der Stadt Weinstadt.

734Grundgesamtheit
607in Weinstadt (82,7 %)
470angemeldet (64,0 %)
2000–2004Erhebungsperiode

Was die Daten
tatsächlich zeigen.

Aus rund 30 geprüften Hypothesen kristallisierten sich einige Befunde heraus, die das gängige Bild des „Gründers aus der Not" relativieren. Eine Auswahl der gehaltvollsten Ergebnisse:

Pull schlägt Push

Selbstverwirklichung, Autonomie und die eigene Idee dominieren. Push-Motive wie Arbeitslosigkeit spielen eine deutlich untergeordnete Rolle — entgegen einem in der öffentlichen Wahrnehmung präsenten Bild.

Bildung trennt die Gruppen

Push-Gründer haben ein signifikant niedrigeres Bildungsniveau als Pull-Gründer und gründen häufiger in Branchen mit niedrigen Einstiegsbarrieren — Bau, Gastronomie, einfache Dienstleistungen.

Humankapital-Bonus

Gewerbegründer verfügen insgesamt über ein überdurchschnittliches Bildungsniveau — mehr als die erwerbsfähige Bevölkerung. Vollerwerbsgründer noch deutlicher als Nebenerwerbsgründer.

Der typische Gründer

Männlich, 30–40 Jahre. Im Vollerwerb häufiger verheiratet, im Nebenerwerb häufiger ledig. Frauen gründen später als Männer und sind in den mittleren Altersklassen besonders sichtbar.

Branchenkontinuität

Gründer gehen fast immer in eine Branche, die sie bereits aus der abhängigen Beschäftigung kennen. Die Folge: Der bisherige Arbeitgeber reagiert häufig skeptisch bis ablehnend auf das Vorhaben.

Wider die Kleinbetriebshypothese

Nicht der Kleinbetrieb ist das Hauptrekrutierungsfeld für Gewerbegründer — entgegen einer verbreiteten Annahme bringen größere Unternehmen die meisten Gründer hervor. Angestellte sind dabei besonders gründungsaktiv.

Standort = Wohnort

Es gibt im Grunde kein eigentliches Standortproblem: Der Gründungsort ist fast ausnahmslos der bisherige Wohnort. Gegründet wird in vertrauter Umgebung, mit lokal gewachsenen Bindungen.

Familie als Stütze

Lebenspartner und Eltern sind die wichtigsten emotionalen wie finanziellen Rückhalte. Der Bekanntenkreis steht der Gründung überwiegend positiv gegenüber — ein indirekter, aber stabilisierender Faktor.

Kapitalbedarf als Engpass

Vollerwerbsgründer haben höheren Kapitalbedarf und einen geringeren Eigenkapitalanteil als Nebenerwerbsgründer. Hauptquellen: Banken, gefolgt von Partner und Eltern.

Nebenerwerb als Erprobung

Bei Nebenerwerbsgründern dominiert das monetäre Motiv — die Selbständigkeit ist häufig ein zusätzliches Standbein. Vollerwerbsgründer dagegen ringen stärker um Autonomie und Selbstverwirklichung.

Die Original-Veröffentlichung.

Ergänzend zur Diplomarbeit wurde 2005 eine Online-Version der Befragungsergebnisse aufgesetzt — bewusst ohne Kommentierung, nur Tabellen und Diagramme zum freien Nachlesen. Hier die liebevolle Erinnerung:

http://thobug.dyndns.org/Befragung/index.htm
Weinstädter Gründerbefragung — Startseite

Vorbemerkungen

Gewerbeanmeldung

Gewerbe

Gründungsmotivation

Gründerperson

Humankapital

Bisheriger Arbeitgeber

Vorbereitung & Finanzierung

Umfeld & Unterstützung

Gründernetzwerk

Standort

Rentabilität

Trauben — Wahrzeichen Weinstadts

Herzlich Willkommen!

Auf den folgenden Seiten werden wesentliche Ergebnisse der Weinstädter Gründerbefragung veröffentlicht. Es wurde dabei bewusst auf eine Kommentierung und Bewertung verzichtet.

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Alle zwölf Themenblöcke der Original-Veröffentlichung sind aus den FrontPage-Pages 2005 in barrierefreies, mobil-taugliches HTML übertragen. Original-Diagramme als Beleg eingebunden; Tabellen aus den ursprünglichen MS-Office-Strukturen extrahiert und gereinigt. Inhalte unverändert — bewusst, wie schon 2005, ohne nachträgliche Kommentierung.