Genealogie
Private Familienforschung in Württemberg. Zwei Ortsfamilienbücher habe ich aus den Kirchenbüchern selbst erarbeitet; daneben erschließe ich die Sammlungen dreier Forscher, die nie veröffentlicht wurden – zwei davon inzwischen ebenfalls als Ortsfamilienbuch.
Eigene Ortsfamilienbücher
OFB · veröffentlicht
Die beiden einzigen Bücher hier, für die ich die Kirchenbücher selbst entziffert habe – am Tablet gelesen, Eintrag für Eintrag samt der Paten übertragen. Veröffentlicht beim Verein für Computergenealogie und durchsuchbar nach Personen und Familien: Haberschlacht (ab 1659, 2.920 Personen · 1.058 Familien) und Neipperg (1647–1807, 2.853 Personen · 1.041 Familien).
Arbeitsweise
Die Haberschlachter Kirchenbücher habe ich von 1659 bis etwa 1735 selbst entziffert: am Tablet gelesen, schwer Lesbares mit dem S-Pen daneben nachgeschrieben, dann Eintrag für Eintrag samt der Paten in eine Genealogie-Datenbank übertragen.
Die beiden großen Sammlungen sind anders entstanden. Otfried Kies hat seine Abschriften über Jahrzehnte selbst getippt, Ruth Blanks „Schorndorfer Familien" lagen als ein einziges, über 2.000 Seiten starkes Typoskript vor. Dort beginnt meine Arbeit beim fertigen Text – der allerdings uneinheitlich ist, je nach Pfarrer mal Fließtext, mal tabellarisch, über Jahrzehnte gewachsen. Allein die Freitexte aus den DOCX-Dateien so zu zerlegen, dass Kind, Eltern und Paten in getrennten Feldern landen, hat eine Woche intensiver Arbeit gekostet. Dazu kamen Mapping-Listen für historische Namens- und Berufsformen, Handkorrekturen Parochie für Parochie und der Aufbau valider GEDCOM-Dateien samt Dublettenabgleich. Am Ende steht für jeden der über 240.000 Einträge bei Kies und jeden der gut 9.500 Familienartikel bei Blank ein einzeln adressierbarer, durchsuchbarer Datensatz.
Diese Arbeit entsteht durchgehend mit KI-Unterstützung, aber an zwei verschiedenen Stellen, und der Unterschied ist wesentlich. Sprachmodelle lesen: Sie übertragen die handschriftlichen Blätter in eine erste Lesefassung und zerlegen Freitext in einzelne Felder. Alles Übrige erledigen Skripte, die zwar mit KI geschrieben wurden, beim Ausführen aber ohne Sprachmodell auskommen – gleicher Eingang, gleiches Ergebnis, beliebig oft wiederholbar. Der GEDCOM-Export etwa entsteht ohne Modell im Laufzeitpfad, ebenso die hier gezeigten Module.
Geprüft wird von Hand: Neben jeder Lesefassung steht das Digitalisat, unsichere Stellen tragen ein Fragezeichen, und zu jedem Datensatz bleibt der quellentreue Rohtext einsehbar.
Ruth Blanks Nachlass enthält daneben 53 Mappen mit handschriftlichen Auszügen aus den Seelenregistern des Kirchspiels Lorch. Diese 1.674 Blätter sind Blatt für Blatt in eine Lesefassung übertragen worden, unsichere Lesungen mit einem Fragezeichen markiert. Jedes Blatt steht auf lorch.bgg-home.de neben seinem Digitalisat, sodass sich jede Zeile am Original nachlesen lässt.
Aus fremden Sammlungen
Drei Forscher haben über Jahrzehnte Quellen abgeschrieben und nie veröffentlicht. Ich bereite diese Sammlungen so auf, dass jeder Eintrag zu einem einzelnen, durchsuchbaren Datensatz wird – der quellentreue Rohtext bleibt einsehbar, Korrekturhinweise lassen sich direkt am Eintrag einreichen.
Zwei der drei Bestände sind zusätzlich als Ortsfamilienbuch bei CompGen veröffentlicht, im dortigen Standardformat. Die eigenen Seiten können mehr: Namens- und Berufsregister, eine Liste offener Fragen, an der sich mitarbeiten lässt, GEDCOM-Ansicht je Familie, bei Schorndorf automatisch erkannte Brücken zwischen Familien, bei Lorch Lebensläufe und Querverbindungen zwischen den Orten.
Kies'sches Familienarchiv
Dr. Otfried Kies hat über Jahrzehnte die Kirchenbücher der Region transkribiert. Aus dem uneinheitlichen Volltext sind durchsuchbare Personen-Karten geworden: Volltextsuche mit Operatoren (AND, OR, NOT), Filter nach Parochie und Buchtyp, Direktnavigation per Eintrag-ID. Zu finden auf kies.bgg-home.de.
Aus diesem Bestand ist ein Beitrag für die Zeitschrift des Zabergäuvereins entstanden: Aus den Kirchenbüchern des Zabergäus – Sechs Themen aus drei Jahrhunderten (1575–1803). Strafrecht der Ganerbschaft Bönnigheim, Hochwasser an Enz und Neckar, die Deutung von Unwettern, Pest und Hungerkrisen, das fahrende Volk und die Soldaten im Land – jeder Fall im gekürzten Originalwortlaut, mit Verweis auf den Datensatz in der Datenbank. Angenommen, erscheint in einem der nächsten Hefte.
über 240.000 Einträge · 33 Parochien · 16.–19. JahrhundertRuth Blank · Kirchenbücher
Ruth Blank hat die Schorndorfer Kirchenbücher transkribiert und nach Familien geordnet, hinterlassen hat sie das als DOCX-Dateien. Als befestigte Amtsstadt mit Garnison bringt Schorndorf neben den Weingärtnern – dem häufigsten Beruf im Bestand – auch Vögte, Amtsschreiber und Soldaten aus halb Europa in die Register. Die deutlichste Spur hat der Dreißigjährige Krieg hinterlassen: Nach dem Stadtbrand von 1634 erlebten von rund 4.200 Einwohnern nur 830 das Kriegsende, entsprechend viele Linien brechen dort ab. Über die Kirchenbücher hinaus sind Musterungs-, Steuer- und Lagerbücher bis zurück ins Jahr 1545 ausgewertet, dazu Inventuren bei rund 1.800 Familien.
Zwei Zugänge: als Ortsfamilienbuch bei CompGen, Ereignis für Ereignis erschlossen (44.795 Personen · 10.380 Familien), und auf schorndorf.bgg-home.de, wo Ruth Blanks Familienartikel zusammenbleibt (49.048 Personen · 9.512 Familien · 425 offene Fragen).
Ruth Blank · Seelenregister
Eine andere Quellengattung als alles Übrige hier: Seelenregister verzeichnen Haushalte statt Einzelereignissen und beschreiben den ganzen Menschen – Herkunft und erlernter Beruf, Wanderjahre, Schulbesuch, Ämter im Flecken, durchlittene Krankheiten, dazu oft ein Urteil des Pfarrers über die Lebensführung, mitunter auf Lateinisch. Erfasst sind die Haushalte der Jahre 1648 bis 1740, also die Jahrzehnte nach dem Dreißigjährigen Krieg: Kinder, die auf der Flucht geboren wurden, verwilderte Höfe, die neu angetreten werden mussten, Rückkehrer aus dem Bayerischen und dem Elsass. Neben dem Marktflecken gehören 31 Bestände dazu – Filialorte, Weiler, Einzelhöfe und Mühlen im Welzheimer Wald. Die Charakterurteile sind dabei die Sicht des Pfarrers, kein objektiver Befund.
Zwei Zugänge: als Ortsfamilienbuch bei CompGen (8.622 Personen · 1.752 Familien), und auf lorch.bgg-home.de, wo jedes Blatt als Lesefassung neben dem Digitalisat steht und maßgeblich bleibt (9.494 Personen · 1.725 Ehen).
Korrekturen & Ergänzungen
Zwei weitere Ortsfamilienbücher der Pfarrei Winterbach pflege ich laufend nach: Korrekturen offensichtlicher Fehler, Ergänzungen aus Nachträgen und Hinweisen anderer Forscher.
Eigene Software
webtrees ist eine quelloffene Web-Anwendung für Familienforschung. An vier Stellen habe ich ergänzt, was mir bei der eigenen Arbeit gefehlt hat: zwei Module, ein Theme und eine kleine Android-Hülle. Diese vier stehen unter GPL-3.0 mit offenem Quellcode und greifen nicht in den Programmkern ein; die beiden Module sind im offiziellen webtrees-Modulverzeichnis gelistet. Dazu kommt ein eigenständiges Werkzeug außerhalb von webtrees, mit dem die Ortsfamilienbücher überhaupt entstehen.
webtrees-Modul · v1.4.0 · GPL-3.0
Foto- und Dokumenten-Sammlungen als thematische Mediensicht neben der personenbezogenen Stammbaum-Ansicht: Ordner-Sammlungen aus dem Dateisystem (Familienfotos, Grabsteine, Kirchenbuchakten, Briefe), freie Sammlungen über mehrere Ordner hinweg. Galerie mit Lightbox und Tastatur-Navigation, EXIF/XMP-Lesen und -Schreiben direkt in die Datei mit Tages-Backup, bidirektionaler Abgleich mit den webtrees-Personenverknüpfungen.
gelistet auf webtrees.net · github.com/thobgg/webtrees-sammlungenwebtrees-Modul · v1.11.0 · GPL-3.0
Macht aus jedem Ort des Stammbaums eine Archivseite: Fotos und Dokumente liegen dabei in Ordnern und werden angezeigt, ohne dass jede Datei erst als Medienobjekt in den Stammbaum eingetragen werden muss. Dazu Kirchenbuch- und Recherche-Logbuch, Karte, externe Quellen (Wikimedia Commons, Deutsche Digitale Bibliothek, Archion) und eine Ereignis-Statistik der am Ort verorteten Personen. Und zwei Werkzeuge, die webtrees im Kern nicht vorsieht: Schreibvarianten und Dubletten zusammenführen oder umbenennen, jeweils mit Vorschau, Sicherung und Rückgängig-Funktion, sowie die Ortsidentität nach GEDCOM-L als eigener Datensatz (stabile Kennung, historische Namen, Hierarchie, Koordinaten), die nur ergänzt und nie überschrieben wird.
gelistet auf webtrees.net · github.com/thobgg/webtrees-ortsregisterwebtrees-Theme · v1.2.0 · GPL-3.0
Ein Theme mit vier umschaltbaren Paletten: Hell in Navy und Gold auf warmem Papierton, Dunkel mit Bernstein-Akzenten, Sepia im Buchdruck-Look samt eigenem Druck-Stylesheet und Bordeaux in Weinrot auf Creme. Umgeschaltet wird im Kopfmenü; jeder Benutzer behält seine eigene Wahl, die Einstellung des Administrators gilt als Vorgabe für Besucher. Alle vier Paletten halten den Kontrastwert WCAG AA ein.
github.com/thobgg/webtrees-theme-farbweltenAndroid · v1.3 · GPL-3.0
Kein eigener Client, sondern die eigene webtrees-Instanz als App verpackt: Adresse beim ersten Start einmalig hinterlegen, danach eigenes Symbol im Launcher und durchgehende Session. Eine offizielle webtrees-App gibt es nicht. Der Name folgt der OsmAnd-Tradition: OpenStreetMap → OsmAnd, webtrees → WebtreesAnd. Seit 1.3 bleiben Status- und Navigationsleiste ausgeblendet, und fordert eine Seite Vollbild an, wird das unterstützt – gedacht für die Galerie des Sammlungen-Moduls: Ein quer gehaltenes 3:2-Foto kommt damit auf 576 × 384 statt 284 × 189 Pixel.
github.com/thobgg/WebtreesAnd · signierte APK unter ReleasesPython · v0.2.0 · MIT · in Arbeit
Der Weg von der Kirchenbuchseite zum Ortsfamilienbuch als eigenes Werkzeug: Seite vom Sprachmodell lesen lassen, gegen den vorhandenen Bestand abgleichen, korrigieren, als GEDCOM ausgeben. Die mühsame Frage bei jedem Registereintrag – steht diese Person schon im Bestand oder ist sie neu? – wird vorab beantwortet und nur noch zur Bestätigung vorgelegt. Bestätigt wird dabei nur, was ein Beleg deckt, etwa eine nachgewiesene Elternehe; die Selbsteinschätzung des Modells zählt nicht. Der Ausgangsbestand bleibt unangetastet, unberührte Datensätze gehen zeichengleich durch den Export.
Früher Stand · entwickelt an den Haberschlachter Kirchenbüchern ab 1808Offenheit
Die Ergebnisse dürfen weiterverwendet werden. Die Ortsfamilienbücher stehen unter CC BY-SA 4.0, die beiden webtrees-Module unter GPL-3.0 mit offenem Quellcode – wer damit weiterarbeiten will, darf das, auch ohne zu fragen.
Die Datenbanken stehen bei mir im Haus, nicht bei einem Anbieter, der morgen den Dienst einstellt oder die Bedingungen ändert. Wer mit historischen Quellen arbeitet, sollte sagen können, wo sie liegen und wer Zugriff hat. Und sie liegen in einem offenen Dateiformat, das jedes gängige Programm lesen kann – falls die Seiten hier eines Tages nicht mehr laufen, sind die Daten trotzdem nicht verloren.
Der Unterbau ist seit 2007 Linux: am Arbeitsplatz Xubuntu, auf der eigenen Synology-NAS Debian-basierte Container. Die Pipelines, die Module, diese Seite – alles dort entstanden.
Maschinell verarbeitet werden nur alte Quellen. Die automatisierten Schritte betreffen ausschließlich Quellen des 16. bis 19. Jahrhunderts – keine Daten lebender Personen. Die Sprachmodelle laufen dabei als einzige Stufe über externe APIs.
F-Droid: der Zeithorizont für kleine Projekte wird enger
F-Droid ist der einzige vollständig quelloffene App-Marktplatz für Android: kein Tracking, kein Google-Konto, keine proprietären Bibliotheken. Für Open-Source-Projekte war er lange die erste Adresse.
Das Modell hat aber strukturelle Eigenheiten. F-Droid baut Apps selbst aus dem Quellcode, statt die vom Entwickler signierte APK zu verteilen – daraus folgen Build-Inkompatibilitäten und lange Wartezeiten in einem ehrenamtlichen, chronisch unterbesetzten Review. Die angekündigte Anforderung reproduzierbarer Builds hebt die Hürde weiter an, besonders für Projekte ohne eigene CI-Infrastruktur.
Eine praktische Alternative ist IzzyOnDroid, ein F-Droid-kompatibler Drittanbieter-Repo: nimmt entwicklersignierte APKs an, reviewt deutlich schneller und bleibt für kleine Projekte realistisch erreichbar.